Stumme Jungs

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Kommentar

Stumme Jungs

von Clarissa, Fräulein Wunder am 23.01.2017


Sie heißen Michael Sam, Gareth Thomas oder Brian Anderson. Sie spielen American Football, waren Rekordnationalspieler ihres Landes oder Skater of the Year. Und sie sind: homosexuell. Eigentlich keine große Sache. Eigentlich…

Ein Meinungsbeitrag zu einem bestimmten Thema wird im Journalismus 'Kommentar' genannt. Das besondere ist, dass der oder die Autor*in zu dem Thema (kritisch) Stellung bezieht. Das klappt nur, wenn dir als Leser*in dafür wichtige Zusammenhänge verdeutlicht werden. Ziel eines Kommentars soll sein, dass du dir danach als Leser*in besser eine Meinung zum Thema bilden kannst.

Michael Sam, Gareth Thomas, Brian ANderson | Rechte: Image | Collage: KiKA

Auch der ehemalige Nationalspieler Thomas Hitzelsberger stellte 2014 klar: Ich bin homosexuell. Als erster Profifußballer! Alle flippten aus. Die Hoffnung war groß, dass sich durch ihn weitere Spieler ermutigt fühlen, das Versteckspiel aufzugeben. Vor allem, als auch in der Presse immer wieder gemunkelt wurde, dass Hitzelsberger kein Einzelfall ist und Homosexualität unter Fußballern, wie auch sonst überall, keine Ausnahme darstelle. Aber es passierte: Nichts.

"Wer homosexuell ist, sieht darin selber nichts wirklich Besonderes. Deswegen ärgert man sich, wenn andere ein Gewese daraus machen, als wäre Homosexualität völlig ungewöhnlich und abnorm. Was soll denn daran so wichtig sein?"

Thomas Hitzelsberger

Verkehrte Welt im Sport

Was läuft schief? Die gleichgeschlechtliche Ehe ist inzwischen in vielen Ländern erlaubt. Es gibt homosexuelle Moderatoren, Schauspieler, Künstler – und natürlich auch Sportler. Warum auch nicht? Ist es nicht merkwürdig, dass es keinen  juckt, wenn sich nach einem Tor Stürmer und Mitspieler gegenseitig anerkennend auf den Hintern klatschen? Oder auf die Stirn küssen? Aber wehe Cristiano Ronaldo* steht weinend zur Europameisterschaft am Spielfeldrand, weil er emotional so bewegt ist, seine Mannschaft wegen einer Verletzung nicht unterstützen zu können. Da wird sofort getönt, weil er heult, sei er schwul. So wird schwul schnell zum fiesen Schimpfwort. Als schwul oder Homo beschimpft zu werden zeigt leider auch, das Homosexualität nicht überall akzeptiert ist. Diese nicht vorhandene Akzeptanz ist nicht allein auf den Sport beschränkt. Immer dort, wo scheinbare Normen gebrochen werden, verkehren sich Unsicherheiten manchmal in Gehässigkeit gegenüber den Menschen, die die Normen brechen. Die gleichgeschlechtliche Liebe ist so ein Beispiel.

Homosexualität zwischen Männern wird oft mit Weiblichkeit in einen Topf geworfen. Andere Männer zu lieben - „So verhält sich ein Mann nun mal nicht“. Es ist gar nicht so einfach für Jungen und junge Männer, den Ansprüchen gerecht zu werden. Männer sollen nicht weinen. Männer zeigen keine Gefühle und Männer stehen auf Frauen. Mann und Frau. Diese alten Muster stehen dir im Weg, wenn du neue Wege gehen möchtest. Und sie verunsichern außerdem, wenn alle um dich herum in den Kategorien schwarz und weiß denken.

Hast du noch keine solche Schranke im Kopf: Großartig!! Wenn doch: Rede doch mal darüber. Was ängstigt dich? Was verstehst du nicht? Sprich mit Menschen, denen du vertraust oder die dir professionell zur Seite stehen können. Reden hilft, um Dinge besser zu verstehen, die zuerst vielleicht nicht ganz einfach zu verstehen sind.

Aber zurück zum Sport. Kann man nun schwul sein und trotzdem echten Männersport betreiben? Ja – klar! Aber es scheint doch noch komplizierter. Für Sportler wie Thomas Hitzelsberger steht leider viel auf dem Spiel. Die Angst ist groß, in der Familie Verwirrung auszulösen. Vielleicht wird der Vertrag nicht mehr verlängert? Thomas Hitzelsberger ist bisher der einzige deutsche Fußballer, der sich geoutet hat – aber auch erst, nachdem er seine Profikarriere beendete. Sein Management riet ihm damals dazu, mit dem Coming-Out zu warten.

Was zählt denn wirklich? Der Zusammenhalt in einer Mannschaft, der Kampfgeist fürs Team – oder das Geschlecht, in das man sich verliebt? Ist es nicht egal, wer an den Ball tritt und Tore schießt? Oder den Skatepark rockt? Oder einen Korb nach dem anderen macht? Und wen dieser Mensch liebt? Ein erster Schritt in die richtige Richtung wäre, toleranter zu werden. Es braucht nicht nur den homosexuellen Sportler, der zu seiner Haltung steht. Es braucht auch die Fans, die keine Pfeifkonzerte oder diskriminierenden Chöre anstimmen. Es braucht Sponsoren, die ihre Verträge nicht kündigen, wenn einer plötzlich nicht mehr in die scheinbare Norm passt. Es braucht uns alle, die aus einem Coming-Out von Hitzelsberger und Co. keine Schlagzeile machen.
Denn: Es geht uns auch nichts an. Die Sexualität von niemandem geht uns etwas an – sie ist Privatsache. Egal ob hetero oder homo, bi, trans oder queer. Es sei denn, die Menschen suchen das Gespräch.

*Anmerkung der Redaktion: Erst im vergangenen November wurde Cristiano Ronaldo erneut mit homophoben Beleidigungen scharf attackiert. Beim Stadt-Derby Real Madrid gegen Atlético Madrid wurde Ronaldo von seinem Gegenspieler Koke als "Schwuchtel" beschimpft. Auch die Atlético Fans stimmten unschöne Lieder an. Ronaldo konterte, sowohl mit Worten als auch mit Toren. Atlético verlor 0:3.

Clarissa, Fräulein Wunder Clari in drei Sätzen: "Hallo Hamburg: Moin, Moin! Hallo München: Servus! Hallo Berlin: FRESSE oder wie du heißt!“ Sie beißt nicht, versprochen. Aber was sagen wir: lerne die zauberhafte Clarissa einfach selbst kennen.

Die Pride Flagge | Rechte: KiKA

Bedeutung der Regenbogenfahne

Liebe ist Vielfalt

Die Flagge der Lesben, Schwulen, Bisexuellen und transgeschlechtlichen Menschen päsentiert sich in: Rot (Liebe), Orange (Gesundheit), Gelb (die Sonne), Grün (Natur), Königsblau (Harmonie) und Violett (den Geist).