Sterben ist nicht so mein Ding!

Krebs bei Kindern

Sterben ist nicht so mein Ding!

In Deutschland erkranken jedes Jahr durchschnittlich rund 2000 Kinder an Krebs. Betroffen sind dann nicht nur die Kinder selbst, sondern auch Geschwister, Eltern und Freunde. So ergeht es auch Jenny. Mit der Diagnose Leukämie wird sie aus ihrem Alltag gerissen und muss sich im Krankenhaus neu finden. Wie es ihr im Kampf gegen den Krebs ergeht, zeigte KiKA in der 20-teiligen Realserie „Sterben ist nicht so mein Ding!“.

Die Serie ist eine Reise in das Herz eines 13-jähriges Mädchens, das mitten in den Proben zu einem Tanzwettbewerb von ihrer Leukämie-Erkrankung erfährt. Jenny lässt sich nicht von der Diagnose niederschlagen, sondern entwickelt eine beeindruckende Charakterstärke, die ihr hilft, tapfer und mit Humor gegen ihre Krankheit und die Tücken der stationären Behandlung im Krankenhaus anzukämpfen. Dabei unterstützen sie ihre Freundinnen und Freunde aus der Schule, die Klinik-Belegschaft sowie ihr alleinerziehender Vater und ihr jüngerer Bruder.

Portrait von Stefan Pfäffle | Rechte: MDR/Axel Berger
Stefan Pfäffle Stefan Pfäffle arbeitet seit 2003 beim Kinderkanal von ARD und ZDF in der Redaktion Fiktion und Programmaquisition.

"Die Serie scheut sich nicht, Leukämie und die Behandlung Jennys in all ihrer Härte und mit all ihren Konsequenzen in fast jedem Lebensbereich zu zeigen. Sie verharmlost nichts, versinkt aber auch nicht in Hoffnungslosigkeit und der Schwere ihres Erzählgegenstandes. Im Gegenteil: Immer wieder werden Möglichkeiten gefunden, das schwere Thema humorvoll zu brechen und zu zeigen, dass es auch während der schlimmsten Krankheit so etwas wie ein normales Leben gibt."

Stefan Pfäffle, Redaktion Fiktion und Programmaquisition

Die kanadische Serie "Sterben ist nicht so mein Ding!" zeigt beeindruckend die Auswirkungen einer lebensbedrohlichen Erkrankung auf Patientin, Familie und Freunde. In jeder Folge stehen ein spezielles Themenfeld der Krankheit und dessen Behandlung im Mittelpunkt. Im Umfeld des diesjährigen Weltkrebstages und des Internationalen Kinderkrebstages war die Serie "Sterben ist nicht so mein Ding!" bei KiKA zu sehen.

Krebs bei Kindern

Eine Herausforderung für die ganze Familie

Jährlich erkranken durchschnittlich rund 2000 Kinder und Jugendliche an Krebs. Leukämien sind dabei die häufigste Form der Krebserkrankungen, gefolgt von Hirntumoren. Auch wenn es immer bessere Möglichkeiten gibt, die Krankheit zu bekämpfen und mehr als 80 Prozent der krebskranken Kinder und Jugendlichen geheilt werden können, sterben Kinder nach wie vor an der Erkrankung oder deren Folgen.

Prof. Dr. med. Andreas Kulozik | Rechte: KiKA/Prof. Dr. med. Andreas Kulozik
Prof. Dr. med. Andreas Kulozik

"Die Diagnose einer Krebskrankheit ist natürlich erstmal ein riesiger Schock. Das Leben der gesamten Familie ändert sich von heute auf morgen ganz fundamental. Ich rate Eltern, sich mit ihrem Kind in ein spezialisiertes Behandlungszentrum zu begeben."

Prof. Dr. med. Andreas Kulozik

Eine Krebserkrankung bedeutet stets einen großen Einschnitt im Leben von Familien. In einer solchen Situation verändert sich nicht nur der Alltag des Kindes, sondern auch der von Eltern und Geschwistern. Besonders bei Eltern wirft die Diagnose Krebs viele Fragen auf. Was genau bedeutet die Diagnose? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und wie läuft eine Therapie ab? Wie sind die Aussichten auf Heilung und welche Spätfolgen können Erkrankung und Therapie mit sich bringen? Aber auch: Wie organisieren wir jetzt unseren Alltag? Kann ich weiter arbeiten gehen? Wer begleitet unser Kind bei Therapien und Krankenhausaufenthalten und wer kümmert sich währenddessen um die Geschwister? Wir können an dieser Stelle nicht bei allen Fragen Hilfestellungen anbieten. Jedoch haben wir mit Dr. Ria Kortum und Katrin Claus von der Deutschen Kinderkrebsstiftung zum Thema gesprochen und sie um Antworten auf einige Fragen gebeten. Auch  Prof. Dr. Andreas Kulozik, Direktor der Klinik für Kinderonkologie, -hämatologie und -immunologie und des Hopp-Kindertumorzentrums (KiTZ) in Heidelberg, stand uns als Interviewpartner für das Themenspektrum Leukämie zur Verfügung.

Leukämie

Leukämien sind die häufigsten Krebserkrankungen bei Kindern. Als Leukämie, auch Blutkrebs genannt, werden die verschiedenen Krebserkrankungen des blutbildenden Systems bezeichnet. Allen Leukämien gemein ist, dass sich entartete weiße Blutkörperchen, die sogenannten Leukozyten, unkontrolliert vermehren. Grundsätzlich ist Leukämie jedoch eine seltene Erkrankung von der jährlich in Deutschland nur cirka 700 Kinder betroffen sind.

Prof. Dr. med. Andreas Kulozik: "Bei Leukämie sind das typischerweise Knochenschmerzen, Müdigkeit, Blässe, vielleicht auch eine Neigung zu Blutergüssen und Nasenbluten oder auch zu Fieber und Infektionen." 

Prof. Dr. med. Andreas Kulozik: "Typischerweise ist es der Kinderarzt, zu dem die Eltern natürlich gehen können. Der wird das Kind körperlich untersuchen und gegebenenfalls schon Hinweise auf die vermutete Erkrankung finden und die Bestimmung eines Blutbildes veranlassen. Dort können dann auch schon typische Veränderungen auftreten. Wenn der Kinderarzt den Verdacht auf eine Leukämie hat, dann wird dieser das Kind typischerweise an eine spezialisierte Einrichtung in seiner Nähe überweisen, wo Kinder mit Leukämieerkrankung behandelt werden."

Prof. Dr. med. Andreas Kulozik: "Die Diagnose einer Leukämie oder einer anderen Krebskrankheit ist natürlich erstmal ein riesiger Schock. Das Leben der gesamten Familie ändert sich von heute auf morgen ganz fundamental. Die Leukämie ist eine seltene Erkrankung. Nur ca. 700 Kinder erkranken in Deutschland pro Jahr an Leukämie. Ich rate Eltern, sich mit ihrem Kind in ein spezialisiertes Behandlungszentrum zu begeben. Dort ist man darauf eingestellt und die Kinder erfahren eine hervorragend entwickelte und sehr wirksame Behandlung.
Spezialisierte Behandlungszentren sind in der Regel die Universitätsklinika im Land. In manchen größeren Städten gibt es darüber hinaus spezialisierte Behandlungszentren auch außerhalb der Universitäten."

Prof. Dr. med. Andreas Kulozik: "Ja, selbstverständlich.  Ich bin fest davon überzeugt,  dass das dies  ganz wichtig ist. Die Tiefe der Informationen hängt natürlich vom Alter des Kindes ab. Aber selbstverständlich ist es so, dass das Kind verstehen muss, warum es häufig ins Krankenhaus muss, warum auch unangenehme Dinge gemacht werden und dafür muss man, in altersentsprechender Art, dem Kind auch erklären, was los ist."

Prof. Dr. med. Andreas Kulozik: "Das ist natürlich sehr unterschiedlich, je nachdem über welchen Krebs wir uns unterhalten. Wenn wir uns auf Leukämien fokussieren, dann können 90 von 100 Kindern erfolgreich behandelt werden."

Was Freunde tun können

Auch wenn ein Kind an Krebs erkrankt, bleibt es weiterhin ein Kind. Der Kontakt mit gleichaltrigen Kindern ist dabei sehr wichtig. Denn Spaß, Lachen und Momente, in denen die Krankheit vergessen werden kann, helfen dem Kind dabei, Kind zu sein.

Dr. Ria Kortum | Rechte: KiKA/Dr. Ria Kortum
Dr. Ria Kortum

"Sehen Sie weiterhin das Kind hinter der Krebserkrankung. Es ist und bleibt der selbe Mensch, der er vorher war und hat die gleichen Interessen und Bedürfnisse, die sich durch die Erkrankung nur teilweise verändern oder von Beschwerden überlagert werden."

Dr. Ria Kortum

Krebskranke Kinder wünschen sich einen offenen und lockeren Umgang mit ihrer Krankheit und vor allem keine Berührungsängste, denn Krebs ist nicht ansteckend. Ein Krankenbesuch muss dabei nicht lange dauern. Oft genügt es, wenn Freunde oder Klassenkameraden einfach mal kurz vorbei kommen. Das zeigt den Kindern, die oftmals lange nicht zur Schule gehen können, weil vielleicht Therapien, OPs oder Krankehausaufenthalte anstehen, dass man an sie denkt und sie nicht vergessen werden.

Geschwisterkinder mit einbeziehen

Auch wenn eines ihrer Kinder an Krebs erkrankt ist, vergessen sie ihre gesunden Kinder nicht! Es ist wichtig Geschwisterkinder über die Krankheit aufzuklären, damit sie die Situation besser verstehen können und sich nicht ausgeschlossen fühlen. Die Unterstützung der Geschwisterkinder spielt für kranke Kinder eine große Rolle. Sie entwickeln oft von selbst den Drang ihrem Bruder oder ihrer Schwester zu helfen, sei es durch die Begleitung zu einem Arztbesuch, durch Spielen oder andere gemeinsame Aktivitäten. Damit werden Geschwister selbst aktiv und treten nicht in den Hintergrund.

Katrin Claus | Rechte: KiKA/Katrin Claus
Katrin Claus

"Als betroffener Patient oder Angehöriger fragt man sich meistens, ob man etwas versäumt hat, ob man Schuld ist an der Erkrankung, ob man hätte vorbeugen und verhindern können. Aber trotz intensiver Forschung ist bis heute nicht eindeutig geklärt, warum Kinder und Jugendliche an Krebs erkranken. [...] Somit ist es nach dem aktuellen Wissensstand auch nicht möglich, dass Sie oder Ihr Kind etwas getan oder nicht getan haben, das die Erkrankung ausgelöst hat."

Katrin Claus

Vergessen Sie sich nicht!

Eltern vergessen sich häufig selbst, denn in einer so sorgenvollen Situation hat man kaum Ruhe, Zeit und Muße, sich um eigene Bedürfnisse zu kümmern. Das ist aber sehr wichtig, denn je besser es Ihnen geht, desto besser können Sie Ihr Kind unterstützen und ihm Halt geben. Betreuungsangebote wahrzunehmen oder Hilfe von Freunden und Verwandten anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern es verschafft Zeit um Kräfte zu bündeln oder zu sammeln. Besonders toll sind auch Einrichtungen, in der Patienten, Eltern und Geschwistern "Urlaub" vom Krebs machen können.

Unsere Fachexperten

Prof. Dr. med. Andreas Kulozik | Rechte: KiKA/Prof. Dr. med. Andreas Kulozik

Prof. Dr. Andreas Kulozik

Prof. Dr. Kulozik ist Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin und ärztlicher Direktor der Klinik für Kinderonkologie, -hämatologie und -immunologie und des Kindertumorzentrums (KiTZ) in Heidelberg. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Kinderheilkunde und Kinderkrebsforschung und ist ausgewiesener Experte im Bereich Leukämie und Leukämiebehandlung. Neben seiner klinischen Tätigkeit ist Prof. Dr. Kulozik ein renommierter Forscher und Wissenschaftler und Autor von zahlreichen Publikationen.

Katrin Claus | Rechte: KiKA/Katrin Claus

Katrin Claus

Katrin Claus ist Ärztin und im Team der Deutschen Kinderkrebsstiftung (DKS) tätig in der Patienteninformation und Forschungsförderung. Außerdem schreibt sie medizinische Beiträge für das Magazin "WIR". Zuvor war sie als Ärztin im Krankenhaus überwiegend in der Anästhesie und Intensivmedizin sowie in der nicht-kommerziellen klinischen Forschung beschäftigt.

Dr. Ria Kortum | Rechte: KiKA/Dr. Ria Kortum

Dr. Ria Kortum

Ria Kortum ist promovierte Rehabilitationswissenschaftlerin und bei der Deutschen Kinderkrebsstiftung (DKS) zuständig für psychosoziale Fragen und Angebote. Sie organisiert und leitet unter anderem Nachsorgeveranstaltungen. Zuvor war sie als Kunsttherapeutin in der Kinderkardiologie tätig und hat als wissenschaftliche Mitarbeiterin einer Hochschule in der Forschung und Lehre zu künstlerischen Therapien bei chronisch körperlichen Erkrankungen mitgewirkt.

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KiKA-Team am 27.02.2020 um 16:40 Uhr

Hallo Paula, wir als KiKA-Team können Ihnen selbst keine direkte fachliche Beratung zum Thema Krebs geben. Auf diesen Seiten hier finden Sie aber rechts unter "Rat und Hilfe" einige Links, die zu Informationsquellen und Stellen führen, über welche Sie sich Antworten auf Ihre Fragen und Rat einholen können. Wir hoffen, dies hilft Ihnen weiter. Herzliche Grüße vom KiKA-Team

Paula am 27.02.2020 um 16:17 Uhr

Wie entsteht Krebs? Warum kann man ihn nicht ausschließen? Sollte ich Krebs haben ist er ansteckend? Warum gibt es nicht die Garantie das man überlebt?

Das Jågerlein am 11.02.2020 um 07:30 Uhr

Immer wenn ich über dieses Thema lese, muss ich an meinn Kampf damals denken. Ich war dsmals 15 Jahre. Auf dem Weg, im Kanurennsport erfolgreich meinem Traum, Birgit Fischer zu werden. Am 8.8.1989 dann die Diagnose ALL. In der DDR kannte man diese Krankheit nicht. Deswegen wurde es fast viel zu spät diagnostiziert, da ich nicht die üblichen Symptome aufwies. Die Öffnung der Tore in die BRD retteten mir und anderen damals das Leben. Natürlich auch unser gemeinsamer Kampf auf Station A2 in Schwerin. Es hatte sich zum Glück auch herausgestellt, das meine 6 Jahre jüngere Schwester, mein Knochenmarkspender ist. Ich habe es aber nicht in Anspruch nehmen müssen. Mein Dank gilt immer noch den Ärzten und Schwestern, die damals mit mir gekämpft haben. Auch unsere Fahrt damals nach Heidelberg war für meine alleinerziehende Mama eine gute Stütze. Man hatte mich damals schon aufgegeben. Dank der Kraft meiner Mutter, der damaligen Chef Ärztin der Intensivstation meinem behandelnden Arzt, und der "Wende", wurde ich am 30.08.1990 entlassen. Ich finde, das war auch eine Weltmeisterschaft.

Rat und Hilfe

In Deutschland gibt es viele Anlauf- und Beratungsstellen, die betroffenen Kindern, Eltern und Geschwistern mit verschiedenen Hilfsangeboten unterstützend zur Seite stehen. Hier finden Sie eine kleine Auswahl.

Jährlich am 15. Februar

Kinderkrebstag

Der Internationale Kinderkrebstag (International Childhood Cancer Day) wurde im Jahr 2002 ins Leben gerufen. Er findet jährlich am 15. Februar statt und erinnert an alle Kinder, die jedes Jahr die Diagnose Krebs erhalten.

Spenderdateien

Leukämie ist die verbreiteteste Krebsform bei Kindern und Jugendlichen. Viele der kleinen Patientinnen und Patienten können nur durch eine Stammzelltransplantation überleben.