Traurig sein

KUMMERKASTEN

Traurig sein

Sabine Marx im Interview

Kann ich meinem Kind Trauern zutrauen? Trauern Kinder anders als Erwachsene? Wie helfe ich meinem Kind die Trauer zu verarbeiten?

Wie trauern Kinder?

Sabine Marx: Einerseits zeigen Kinder etwa ab dem Grundschulalter vergleichbare Trauerreaktionen wie Erwachsene und doch trauern sie auch anders: Lachen und Weinen können sehr dicht aufeinander folgen.  Es ist nicht ungewöhnlich, dass Kinder in einem Moment noch sehr traurig sind, um sich im nächsten fröhlich in ein Spiel zu vertiefen. Generell können sich die unterschiedlichsten Gefühlsreaktionen rasch abwechseln. Heftige Reaktionen wie Wut und Zorn über den Verlust eines Spielzeugs, eines Haustieres und vor allem eines geliebten Menschen können sehr direkt und unmittelbar ausgedrückt werden. Es kann aber auch sein, dass Kinder sich zurückziehen, stiller werden und alte, überwundene Ängste wieder da sind.

Wie helfe ich meinem Kind Abschied zu nehmen?

Sabine Marx: Eltern können gemeinsam mit dem Kind überlegen, was es tun und wie es seine Trauer ausdrücken kann: zum Beispiel eine Kerze anzünden, einen Brief schreiben, etwas malen oder basteln, Musik hören. Sie können Kinder ermutigen, sich an schöne Erlebnisse mit dem Menschen, der gestorben ist, zu erinnern. Manche stellen ein Foto in ihrem Zimmer auf oder tragen es  mit sich, andere haben einen Gegenstand bei sich, der sie erinnert.

Was sollte man vermeiden?

Sabine Marx: Kinder auszuschließen, nicht oder nur teilweise darüber zu informieren, was geschehen ist und damit ihr Recht auf Information und Teilhabe nicht ernst zu nehmen. Vermieden werden sollte eine blumige und unklare Sprache wie zum Beispiel "Sie ist für immer eingeschlafen."  Eltern sollten erzählen, was geschehen ist, - ehrlich und ohne lange oder komplizierte Umschreibungen.

Was erleichtert Kindern die Trauerarbeit?

Sabine Marx: Für Kinder kann erleichternd sein, wenn Eltern und Erwachsene ihre eigene Trauer nicht verstecken und auch erklären, warum sie traurig sind oder warum sie weinen. Hilfreich ist auch zu erklären, dass Trauer ein menschliches und normales Gefühl ist, das zum Leben dazu gehört und es uns ermöglicht, mit Abschied, Verlust und Tod umzugehen. Auch Weinen als ein körperlicher Ausdruck der Trauer kann gut tun. Meistens fühlen wir uns danach etwas leichter und wie von innen gewaschen. Es ist aber auch in Ordnung, wenn Kinder es als peinlich empfinden, vor anderen zu weinen. Und wie viel und oft jemand weint oder eben nicht weint, sagt nichts über die Tiefe der Trauer aus. Jeder von uns, Kinder wie Erwachsene, darf auf seine Art trauern und spürt am besten, was er braucht und was gut tut.

Hey, Sabine | Rechte: KiKA | Sabine MArx

Die Expertin

Sabine Marx

Sabine Marx ist die Beraterin des KUMMERKASTEN-Teams. Sie ist Leiterin der Diakonie eMail-Beratung für Kinder und Jugendliche und gibt auf den Erwachsenenseiten regelmäßig Tipps zu den Themen.

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