Aufklärung - Sex, Verhütung & Co.

KUMMERKASTEN

Aufklärung - Sex, Verhütung & Co.

Sabine Marx im Interview

Sabine Marx: "Aufklärung beschränkt sich nicht auf das eine, umfassende Gespräch über Sex, das erste Mal und Verhütungsmethoden. Eltern sollten immer wieder in den unterschiedlichen Lebens- und Entwicklungsphasen des Kindes altersgerecht auf diese Themen eingehen."

Sabine Marx: An der Aufklärung von Kindern sind viele beteiligt: Medien, Schule, Freunde und natürlich auch Eltern. Dabei geht es viel um das Vermitteln von Wissen und Erklärungen, wie, was, wann, warum passiert. Doch Aufklärung ist mehr als eine rein technische Erklärung, wie Sex funktioniert. Eltern leben vor, wie sie selbst mit ihrem Körper umgehen und was Liebe und Zärtlichkeit für sie bedeutet. Kinder lernen täglich am Vorbild der Eltern.

Checkliste

Sabine Marx: Je nach Alter kann es zum Beispiel darum gehen, woher die Babys kommen, wie sie in Mamas Bauch kommen, um die Veränderungen am und im eigenen Körper, das erste Mal, Verhütung und Schutz vor Krankheiten. Hilfreich ist, das Kind zu fragen, was es bereits weiß oder welche Gedanken es sich macht. Dadurch erfahren Sie, wo es steht und ob es sinnvoll ist, Wissen zu ergänzen oder ggf. zu korrigieren.

Sabine Marx: Nicht selten kommt es vor, dass das Kind Ihnen eine Frage ganz unvermittelt und ohne Vorankündigung stellt. Antworten Sie am besten direkt und altersgerecht.

Wenn Sie sich unsicher fühlen, wie Sie etwas erklären sollen oder den Ort für so ein Gespräch nicht passend finden, können Sie sagen, dass Sie später die Frage beantworten. Wichtig ist, dass Sie sich an Ihr Versprechen halten.

Vermeiden Sie, sich lustig zu machen oder sich vor einer Erklärung zu drücken. Das könnte es Ihrem Kind schwer machen, zu einem späteren Zeitpunkt erneut Themen rund um den eigenen Körper und Sexualität anzusprechen.

Sabine Marx: Leben Sie Ihrem Kind vor, dass der Körper etwas Schönes, Wertvolles und Schützenswertes ist. Erklären Sie ihm, sein Körper gehört ihm allein und es darf auf sein Gefühl vertrauen und nein sagen, wenn sich etwas unangenehm oder nicht richtig anfühlt. Diese Haltung kann das Selbstbewusstsein Ihres Kindes stärken und ein wichtiger Schutz vor sexuellen Übergriffen sein.

Sabine Marx: Es ist wichtig, dass Ihr Kind neben den möglicherweise individuellen, familientypischen Namen zum Beispiel für die Geschlechtsorgane auch die korrekten Bezeichnungen kennt. Das gibt ihrem Kind Sicherheit bei Gesprächen über das Thema Sex in der Schule und unter Freunden, entabuisiert und erhöht die eigene Sprachfähigkeit.

Sabine Marx: Versuchen Sie Ihr Kind auf körperliche Veränderungen in der Pubertät vorzubereiten,  bevor sie stattfinden und erlebt werden. Wenn es dann soweit ist, ist die Aufregung für das Kind schon nicht mehr ganz so groß.

Gespräche über Sex, das erste Mal oder Verhütung können sich ganz natürlich aus dem Alltag heraus ergeben, wenn Ihr Kind zum Beispiel von ersten Beziehungen seiner Freunde erzählt oder Sie gemeinsam eine Liebesszene im Fernsehen sehen.

Kommt es doch zu einem Gespräch, können Sie peinliche Momente erträglicher machen, indem Sie ein direktes "du" oder "bei dir" vermeiden und allgemein von Mädchen und Jungen sprechen. Sie geben Ihrem Kind dadurch die Möglichkeit, sich nicht direkt angesprochen zu fühlen und trotzdem spannende Information zu erhalten, die es dann selbst auf sich beziehen kann.

Sabine Marx: Durch Medien, Internet und das Weiterleiten von Sequenzen in der Clique lernen Kinder oft schon früh, meistens viel zu früh, Sex- und Pornofilme kennen. Erklären Sie Ihrem Kind, dass solche Filme nicht die Realität darstellen, sondern sehr einseitige, verzerrte Inszenierungen sexueller Handlungen sind. Wenn zwei Menschen sich körperlich nahe kommen, hat das viel mit Vertrauen zu tun. Wichtigste Voraussetzung: Beide sind bereit dazu und fühlen sich wohl miteinander.

Sabine Marx: Wenn Kinder bereits in der Pubertät sind, empfinden sie es manchmal als peinlich, ausgerechnet mit den eigenen Eltern über Sexualität zu sprechen. Dann können Bücher und Broschüren weiterhelfen. Sie können Ihrem Kind etwas bereit legen und ihm überlassen, ob und wann es bei Bedarf und nach Interesse hineinschaut. Empfehlenswert ist unter anderem die Seite loveline.de im Internet von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Hey, Sabine | Rechte: KiKA | Sabine MArx

Die Expertin

Sabine Marx

Sabine Marx ist die Beraterin des KUMMERKASTEN-Teams. Sie ist Leiterin der Diakonie eMail-Beratung für Kinder und Jugendliche und gibt auf den Erwachsenenseiten regelmäßig Tipps zu den Themen.

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KiKA am 03.03.2017 um 15:51 Uhr

Kinder wachsen heute in einer multimedialen Gesellschaft auf und lernen auch über Medien. In allen Bundesländern sind bereits ab der Grundschule regelmäßig Sexualkundestunden vorgesehen, und auch der Bildungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens umfasst vielfältige Aspekte. Der Programmauftrag des Kinderkanals von ARD und ZDF besteht, neben dem Aspekt der Unterhaltung, in der Bildung, der Information und der Beratung unserer jungen Zuschauer. Der "KUMMERKASTEN" stellt ein Lebenshilfe-Angebot dar, das sich an Zehn- bis 13-jährige Jungen und Mädchen richtet. Alle Themen, die wir in der Sendung aufgreifen, gehen auf ein reales Beratungsbedürfnis des "KUMMERKASTEN"-Publikums zurück. Die Fragen der Kinder und Jugendlichen belegen, dass Pubertät und Aufklärung auch schon für Kinder unter 13 Jahren relevant und interessant sind. Über die Vorgänge im eigenen Körper und die eigene Sexualität Bescheid zu wissen, ist unserer Ansicht nach die beste Prävention vor ungewollten Schwangerschaften, Krankheiten und sexuellen Übergriffen. Kinder lernen, sich zu schützen und sich und anderen Grenzen zu setzen. Wir fangen das Bedürfnis insbesondere der älteren Kinder und Teenager auf, unabhängig von Eltern und Familie - oder auch in Ergänzung dazu - eine Orientierung und Hilfe beim Erwachsenwerden zu bekommen, inklusive der damit einhergehenden körperlichen und seelischen Veränderungen. Wir vermitteln dabei, dass es zur natürlichen Entwicklung eines jeden Menschen dazugehört, sich mit der eigenen Sexualität zu beschäftigen. Ihren Standpunkt respektieren wir gleichermaßen und haben Ihre Rückmeldung an die beteiligten Redaktionen und Bereiche in unserem Hause weitergegeben.

Ute L am 26.02.2017 um 13:59 Uhr

Das "erste Mal" sollte nach der Hochzeit sein. (ich kenne ein Ehepaar die es geschafft hatten, wir leider nicht weil wir zwei Jahre auf eine Hochzeit warten sollten). Und wieso dauernd und ständig die Verhütung von Babys? Damit die "demographische Entwicklung" so überaltert bleibt ? Ehe und Familie ist dazu da um Kinder zu haben. Ich habe selbst acht inzwischen bis auf das jüngste erwachsene Kinder. Außerdem sollten Kinder keinen Sex haben. Oder wieso wird sich aufgeregt wenn eine minderjährige Schwangere heiraten will? Warum werden Ehen von 16 jährigen jungen Frauen aufgelöst? (Aber Unzucht treiben ist okay, aber Ehe nicht ?) PS: Ich habe jedesmal Kinder entbunden, nicht ein Monster war dabei-- es geht ohne den Verhütungsterror zu leben!

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