Keine Angst!

KUMMERKASTEN

Keine Angst!

Angst vor Monstern, vor Dunkelheit oder vor Prüfungen. Jeder Mensch hat Ängste. Was sind typische Ängste im Kindesalter und wie gehe ich als Elternteil damit um? Wann wird aus Angst eine Störung?

Ängste in verschiedenen Alters- und Lebensphasen nach oben

Sabine Marx: Angst ist ein Gefühl, das jeder Mensch kennt. Entwicklungsgeschichtlich hat Angst eine wichtige Bedeutung: Sie warnt und schützt uns vor Gefahren und hält uns davon ab, uns leichtsinnig in halsbrecherische Abenteuer zu stürzen. Dieses Gefühl kann uns befähigen, Kräfte zu mobilisieren und uns zu Leistungen befähigen, zu denen wir im normalen Gemütszustand nicht fähig wären.

Sabine Marx: Zur Entwicklung von Kindern gehört, dass sie den Umgang mit den Ängsten der jeweiligen Lebensphase erlernen.

In dieser Phase haben Kinder häufig Angst vor Trennung von den Eltern, vor fremden Menschen und unbekannten Situationen.

In dieser sogenannten magischen Phase glauben Kinder an Zauber- und Fantasiegestalten. Sie fürchten sich vor Monstern, Geistern, bösen Hexen, aber auch vor realen Gefahren wie Einbrechern oder Feuer. Viele haben Angst im Dunkeln.

Kinder nehmen bereits mehr Anteil an dem, was um sie herum passiert und was sie vielleicht auch im Fernsehen sehen. Es kann sein, dass sie Angst empfinden vor Krieg, Terror, Naturkatastrophen, vor Tieren, Krankheiten und Verletzungen.

Mit dem Besuch der Schule können wachsende Anforderungen und Leistungsdruck ein Gefühl von Überforderun, Schul- und Prüfungsängste auslösen.

In dieser Phase haben Kinder mehr mit sozialen Ängsten zu kämpfen. Das Elternhaus verliert an Bedeutung und die Peergroup wird immer wichtiger. Kinder möchten dazu gehören und haben Angst davor, ausgeschlossen und nicht anerkannt zu werden.

Wie erkenne ich eine Angstattacke? nach oben

Angst versetzt unseren Körper in Alarmbereitschaft: Der Blutdruck steigt, das Herz schlägt schneller, der Puls beschleunigt, die Pupillen werden weiter, wir fangen an zu schwitzen, die Hände fühlen sich feucht oder kalt an, unsere Muskeln spannen sich an oder wir fangen an zu zittern.

Angst kann auch das Verhalten eines Menschen verändern: Er reagiert möglicherweise aggressiv, leidet an Schlafstörungen, fängt an zu stottern oder hält den Atem an. Daher kann Angst nicht nur als Kräfte mobilisierend, sondern auch als lähmend erlebt werden. Kinder klammern sich an die Eltern, werden sehr still oder sehr laut, weinen, klagen über körperliche Symptome wie zum Beispiel Bauch- oder Kopfschmerzen.

Was kann ich tun, wenn mein Kind Angst hat? nach oben

1. Jeder Mensch hat Ängste

Sabine Marx: Entlastend kann sein, wenn Sie Ihrem Kind erklären, dass jeder Mensch immer wieder mal Angst hat. Dass das zwar nicht schön, aber ganz normal ist. Vielleicht erzählen Sie Ihrem Kind, dass auch Sie Angst haben und was Ihnen in solchen Situationen gut tut. Machen Sie Ihrem Kind Mut, Ängste zu überwinden. Trauen Sie ihm, seinem Alter entsprechend, Eigen- und Selbstständigkeit zu und geben Sie ihm immer wieder das Gefühl, dass Sie auf seine Fähigkeiten vertrauen.

2. Ernst nehmen und einordnen

Sabine Marx: Unterstützend und tröstend für Ihr Kind ist, wenn es das Gefühl hat, dass Sie seine Ängste wahr- und ernst nehmen. Hören Sie zu, seien Sie zugewandt und geduldig. Manchmal braucht es auch keine großen oder viele Worte: Nehmen Sie Ihr Kind in den Arm und zeigen Sie ihm auf diese Weise, dass Sie für es da sind.

Sabine Marx: Sind Kinder in der magischen Phase, können sie  Ängste gut spielerisch verarbeiten. So wird Ihnen Ihr Kind vermutlich mit großem Eifer und Spaß helfen, eine Falle für das Monster unter dem Bett zu bauen.

Sabine Marx: Wenn Ihr Kind zum Beispiel Angst vor der Nacht hat, können Einschlafrituale helfen. Sie geben der Übergangsphase vom Wachsein zum Schlafen eine Struktur und Struktur gibt Sicherheit. Kuscheltiere oder zum Beispiel ein Schal oder Pulli, der nach Mama oder Papa riecht, sind tröstende Begleiter in die Nacht. Ein Nachtlicht oder eine offene Tür können die Angst vor Dunkelheit lindern.

3. Eigene Ängste reflektieren

Sabine Marx: Sie sind als Mutter oder Vater Vorbild: Kinder schauen sich von Ihnen ab, wie sie mit Gefühlen umgehen oder in bestimmten Situationen reagieren. Haben Sie große Angst vor etwas, kann es passieren, dass Sie diese Angst auch auf Ihr Kind übertragen. Hilfreich kann daher sein, dass Sie für sich selbst und vielleicht im Austausch mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin oder mit Freunden über eigene Ängste und Verhaltensweisen reflektieren und sich gegebenenfalls helfen lassen.

Ängste zu verschweigen und zu unterdrücken, kostet Kraft und Kinder spüren, dass da etwas nicht stimmt. Über Ängste zu reden, schafft Vertrauen und wirkt entlastend. Es kann für Kinder auch als stärkend erlebt werden, wenn Eltern erzählen, wie sie mit ihrer Angst umgegangen sind und was ihnen in schwierigen Situationen geholfen hat.

4. Aufmerksam sein

Sabine Marx: Kritisch wird es, wenn Ängste Ihr Kind in seinem ganz normalen Alltag einschränken und es beginnt, bestimmte Situationen zu vermeiden oder sich auch sonst sein Verhalten ändert: es zum Beispiel stiller wird, sich zurückzieht oder auffällig aggressiv reagiert. Scheuen Sie sich nicht, sich Hilfe und Unterstützung zu holen. Besprechen Sie mit einem Arzt. Hilfreich kann auch der Besuch einer Familienberatungsstelle sein.

Prüfungsangst/ Schulangst nach oben

Warum haben manche Kinder und Jugendlichen Angst vor der Schule?

Sabine Marx: Für Ängste im Zusammenhang mit Schule kann es viele verschiedene Ursachen geben: So kann es dem Kind zum Beispiel schwer fallen, sich von Mutter oder Vater und dem behüteten Zuhause zu trennen. Vielleicht wird es schlecht von Mitschülern behandelt oder empfindet das Verhalten eines Lehrers als zu streng oder ablehnend. Oder es leidet unter (zu) hohem Leistungsdruck.

Was passiert bei Kindern oder Jugendlichen, wenn sie Angst vor der Schule haben?

Sabine Marx: Schulangst kann zu einer großen Belastung für Kinder werden. Es kann sein, dass sie mit körperlichen Symptomen wie Bauch- und Kopfschmerzen reagieren oder Schwierigkeiten beim Ein- und Durchschlafen haben. Oder sie versuchen, die Angst machende Situation zu vermeiden und weigern sich, in die Schule gehen.

Was können Eltern tun, wenn ihre Kinder Angst vor der Schule oder vor Prüfungen haben?

Sabine Marx: Lassen Sie Ihr Kind nicht allein mit seinen Ängsten und versuchen Sie herauszufinden, was Auslöser und Ursache sind. Überlegen Sie gemeinsam mit dem Kind, was hilfreich sein könnte. Bleiben Sie auch nicht allein mit Ihrer Sorge. Suchen Sie das Gespräch mit der Schule – den Lehrern, den Beratungslehrern oder mit einem Schulpsychologen.

Errmutigen Sie Ihr Kind sich außerhalb der Schule zu beschäftigen: Sport zu treiben oder sich um sonstige Hobbys zu kümmern. Fördern Sie seine Talente und Neigungen.

Was können LehrerInnen tun, wenn Kinder in ihrer Klasse Ängste haben?

Sabine Marx: Ängste können wachsen und größer werden, wenn sie ignoriert werden. Wichtig ist daher auch für Lehrerinnen und Lehrer, dass sie mit dem Kind und im nächsten Schritt auch mit den Eltern sprechen: Welche Ängste quälen das Kind? Was sind die Ursachen? Was kann die Schule dazu beitragen, dass die Ängste weniger werden oder im Idealfall auch verschwinden?

Hey, Sabine | Rechte: KiKA | Sabine MArx

Die Expertin

Sabine Marx

Sabine Marx ist die Beraterin des KUMMERKASTEN-Teams. Sie ist Leiterin der Diakonie eMail-Beratung für Kinder und Jugendliche und gibt auf den Erwachsenenseiten regelmäßig Tipps zu den Themen.

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